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Belgien & Luxenburg

Gent


Heute Früh schaue auf die Wetter-App und entdecke, dass ich das Wetter am Nachmittag für Gent leider verschlechtert hat. Es sollte ab 13:00 Uhr regnen und ab diesem Zeitpunkt könnte ich erst auf den Campingplatz in Gent, wo ich schon reserviert habe. Also Planänderung. Ich suche mir einen Parkplatz am Bahnhof und schaue, dass ich möglichst rasch Richtung Gent komme. Die Fahrt durch die Stadt ist wieder etwas stressig und eng. Aber irgendwann finde ich den Parkplatz und finde auch Platz. 2 Stunden ist kostenlos. So mache ich mich zu Fuß auf und gehe die 20 Minuten in die Stadt. Gent flasht mich auf zweifache Weise. Einerseits die unglaublich atemberaubenden Häuser, Kirchen und Türme. Andererseits eine Hektik, Unruhe, Besuchermassen und Verkehr. An den schönsten Plätzen, alles zugeparkt mit Lieferwagen.
Ich mache meinen Rundgang, aber nach eineinhalb Stunden habe ich wieder genug. 😅Zurück zum Parkplatz und quer durch die Stadt Richtung Campingplatz.


Nachdem wir uns eingerichtet haben, und sich der Regen anscheinend nach hinten verschiebt (16:00 Uhr) machen Aimy und ich uns auf den Weg in das ausgedehnte Natur und Naherholungsgebiet. Die Ruhe tut gut und es werden knapp 10 km daraus.


An einer einsamen Stelle am See bin ich froh, schon eine ältere Frau zu sein. Dort steht ein Schwarzafrikaner und fingert mit beiden Händen in seiner Hose – zum Glück am Hinterteil – herum. Es ist mir gestern in Brüssel schon aufgefallen, dass es hier mehr unangenehme Begegnungen gibt, für mich als Frau. Ich fühle mich hier unsicher als jemals in Polen oder Albanien.
Bemerkenswert ist auch der unglaublich viele Müll, der überall herumliegt. Mein bisheriger Eindruck von Belgien ist nicht unbedingt der Beste.

Trotzdem ist die geschichtliche Bedeutung von Gent eine sehr spannende.

Gent war im Mittelalter eine der reichsten und mächtigsten Städte Europas. Durch den Tuchhandel und seine Lage an den Flüssen Leie und Schelde entwickelte sich die Stadt bereits im 13.–15. Jahrhundert zu einem bedeutenden Handelszentrum. Zeitweise war Gent nach Paris sogar eine der größten Städte nördlich der Alpen. Die wohlhabenden Kaufleute und Zünfte hinterließen prachtvolle Gebäude, Kirchen und Speicherhäuser, die das Stadtbild bis heute prägen.

Saint Bavo’s Cathedral

Die Kathedrale Saint Bavo gilt als eines der bedeutendsten Beispiele flämischer Gotik und beherbergt Meisterwerke der europäischen Kunstgeschichte. Berühmt ist die Kathedrale für das Altarretabel Anbetung des Lamm Gottes der Brüder Hubert und Jan van Eyck (1432), eines der wichtigsten Werke der flämischen Frührenaissance.

Das Gravensteen („Burg der Grafen“) ist eine mittelalterliche Burganlage und wurde im 12. Jahrhundert als Residenz der Grafen von Flandern errichtet und ist eines der am besten erhaltenen Beispiele einer mittelalterlichen Stadtburg in Europa. Die Burg wurde 1180 von Graf Philipp von Elsass errichtet, um seine Macht zu demonstrieren und Gent zu kontrollieren.

Belfry of Ghent

Der Belfried von Gent ist ein 91 Meter hoher mittelalterlicher Turm. Er gilt als Symbol der städtischen Freiheit und gehört seit 1999 zum UNESCO-Welterbe. Der Belfried wurde als Ausdruck der städtischen Unabhängigkeit gegenüber dem Grafen von Flandern errichtet. Entworfen von Baumeister Jan van Haelst, diente er ursprünglich zur Aufbewahrung der Stadtprivilegien im „Secreet“, einer stark gesicherten Kammer . Zugleich war er Wachturm, Alarmanlage und Sitz der Stadtwächter, die bei Feuer, Angriffen oder Ratsversammlungen Alarm schlugen. Seit 1377 krönt ein vergoldeter Drache als Wahrzeichen und Schutzsymbol die Turmspitze. Er zeigt typische Merkmale der brabantischen Gotik – vertikale Linien, Strebepfeiler und reiche Steinornamentik.

Graslei und Korenlei

Die Graslei und Korenlei sind zwei historische Uferpromenaden am Fluss Leie im Herzen von Gent. Sie zählen zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt und bieten ein einzigartiges Ensemble mittelalterlicher Giebelhäuser, das die Handelsgeschichte Gents widerspiegelt. Bereits im Mittelalter bildeten Graslei („Kräuterkaai“) und Korenlei („Kornkai“) das wirtschaftliche Zentrum der Stadt. Hier wurden Getreide, Kräuter und Waren umgeschlagen, gewogen und verzollt. Die Gebäude gehörten meist den Gilden und Zünften, deren Macht und Wohlstand sich in den reich verzierten Fassaden widerspiegeln. Heute ist das Ensemble ein Symbol für den historischen Reichtum Gents.

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